Etappe 6: Not available

Tag 13, Donnerstag der 20. September 2018 – Alles geht kaputt…

geniales Frühstück mit Fatih!

Nach einem phänomenalen Abend in Aarhus und einer angenehmen Nacht auf dem Sofa von Fatih, gingen Fatih und ich gemeinsam mit Woody zum Supermarkt um für das Frühstück einzukaufen. Wir machten uns ein leckeres Omelett mit Käse und Zwiebeln – perfekt um den Tag einzuleiten. Als wir gegen 11 Uhr dann fertig mit Essen waren, wollte ich mich noch etwas an das Tablet setzen um meine Notizen für die letzten Tage nieder zu schreiben. Aaaaasdadfssaf…. Das gibts doch nicht… Während den letzten Tagen hatte ich immer mal das ein oder andere Problemchen mit meiner Tastatur, aber jetzt war sie wohl endgültig hinüber. Manche Buchstaben gingen gar nicht mehr, andere wiederum haben beim Drücken direkt die umliegenden mitgeschrieben. Aufregen wollte ich mich darüber aber nicht – immerhin kann ich an der Situation nun eh nichts ändern – sodass ich das Tablet eingepackt habe und mich meinem Fahrrad widmen wollte, was im kleinen Gartenbereich der Wohnung abgestellt war. Um 12 Uhr gingen wir beide aus der Tür. Fatih hatte einen Termin in der Stadt und Woody & Ich wollte so langsam natürlich weiterfahren. Es war ein wahnsinnig toller Abend bei Fatih – Vielen Dank dafür – und ich hatte ihm natürlich gesagt, dass er bei mir jederzeit willkommen ist!

trübes Wetter, trübe Strecke

Nach etwa 30 Kilometern, kamen wir an Randers, einer etwas größer wirkenden Stadt vorbei. Vom Fahrradweg aus, sah ich einen Elektroladen, in den ich mich natürlich direkt verkrümelt hatte, um eine neue Tastatur für mein Tablet zu kaufen. Nebenan sah ich einen Imbiss mit einem großen gelben M auf dem Dach, in dem ich die Tastatur testen und das Aufschreiben meiner Gedanken nachholen wollte. Hier habe ich dann zum ersten Mal gemerkt, dass es einen gewaltigen Unterschied zwischen dem deutschen und dänischen Umgang mit Hunden gibt. Der Hund muss draußen bleiben! Auf gar keinen Fall darf der rein! – Wie erstarrt stand ich in der Tür. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Ich schloss Woody an das Fahrrad fest, gab ihm ein paar Leckerlis und ging in den Imbiss. Nur kurz, Baby!, flüsterte ich ihm zu und ging von dannen. Eine halbe Stunde später waren wir wieder unterwegs. Das sollte übrigens nicht heißen, dass Dänen nicht Tierlieb sind, oder keine Hunde mögen. Es ist aber ein kultureller Unterschied, der mir als Hundebesitzer aus Deutschland sehr ungewohnt und schade vorkommt. Immerhin bin ich es gewohnt Hunde in Restaurants oder Bars zu sehen, wobei ich das zumeist nicht gerade gut heißen will.

Während der nächsten 25 Kilometer waren mir ein wenig mulmig. Wir fuhren die Straße 507 entlang, die weder einen Fahrradweg noch einen Sicherheitsstreifen hatte. Zudem war die Sicht auf Grund des ständigem Nieselregens eher schlecht als recht. Ich dachte daran, dass meine Reflektoren und Rücklichter beim Reinpressen des Anhängers in den Zug von Bochum nach Flensburg kaputt gegangen sind und ich nun mit nur einem kleinen Blink-Rücklicht da stand. Sicher hätte ich mir ein neues holen können – vielleicht sogar müssen – doch war es dafür natürlich nun zu spät.

der Shelter in Randers

Gegen 19 Uhr kamen wir dann ein wenig durchnässt, aber glücklich über die erfolgreich zurückgelegte Strecke am Shelter in eine kleinen Stadt hinter Randers-City an. Natürlich wollte ich den Moment mit einem Foto festhalten, doch dann musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass mein Smartphone nicht mehr funktionierte. Egal was ich tat, an-aus-an-aus, Sim-Karte raus & wieder rein – nichts half. Das wird schon wieder, wandte ich mich zu Woody und fing an Feuerholz zu stapeln. Dadurch, dass wir später als sonst einen Schlafplatz gefunden hatten, war es natürlich schon recht dunkel und kühl, sodass ich mich erst um Woodys und mein Wohlbefinden kümmern wollte: Feuer und Essen! Ich machte mir ein paar leckere Sandwiches mit Tomate, Gurke, Remoulade, Käse und etwas Aufschnitt – und einen Kaffee. Zum Glück waren wir unter der überdachten Feuerstelle vor dem immer stärker werdenden Regen geschützt. Meine Sim-Karte hatte ich zwischenzeitlich in mein Tablet gepackt um meiner Familie mitzuteilen, dass ich wohl erstmal nicht erreichbar sein werde. Bis spät in den Abend hinein saßen wir noch am Feuer, tranken Wasser & Wein und starrten in die Flammen. Um halb 11 gingen wir dann ins Zelt und löschten das Licht. Mal sehn, vielleicht geht das Handy morgen ja wieder,…

20. September – von Aarhus nach Randers

Tag 14, Freitag der 21. September 2018 – Adventure Mode 2.0

9 Uhr, die Sonne scheint – der Wind bläst

Beim Aufstehen wusste ich noch nicht, dass dies wohl einer der verrücktesten, aber auch tollsten Tage werden sollte. Nach einem ausgiebigen Frühstück und dem Zusammenpacken des ganzen Krams fing es mal wieder an zu regnen, sodass wir uns erstmal wieder unter das Dach der Feuerstelle begaben und ich ein wenig Zeit hatte an dem Beitrag zur 3. Etappe zu schreiben. Gegen 13 Uhr lies der Regen dann allerdings nach und die Sonne kam raus. Während den ersten paar Kilometern hatten wir herrlichen Rückenwind, doch als wir dann wieder zur Hauptstraße 507 kamen, sah das dann nicht mehr so rosig aus. Der Wind blies von Osten, sodass er uns immer wieder auf die Straße drückte, was ziemlich gefährlich war. Kein Fahrradweg, kein Seitenstreifen – nichts um uns ein wenig Abstand vor den rasenden Autos zu gewährleisten.

wir stecken fest

Nach einigen hundert Metern war mir das dann zu viel. Ich konnte mein Rad kaum grade halten und die vorbeirauschenden LKWs und Autos, die von Sicherheitsabstand wohl noch nichts gehört hatten, taten ihren Teil dazu bei. Immer wenn ein wenig Luft vor neuen Autos war schob ich das Rad ein wenig weiter, bis wir zu einer Stelle kamen, an der wir uns erstmal etwas windgeschützt ausruhen und nachdenken konnten. Frustration machte sich breit. Bis Hadsund, der nächsten Stadt war es nicht mehr weit, jedoch war diese Straße die einzige, die mich dort hinbringen konnte. Da Hadsund durch einen Fjord in zwei Teile geteilt war und dies die einzige Möglichkeit war auf die Nordseite zu gelangen, musste ich also hier lang.

Enni sammelt uns ein!

Ich dachte nach, welche Alternativen ich hätte… Eigentlich bleibt da nur trampen…, wandte ich mich zu Woody der vom Wind ziemlich zerzaust aussah. Also dann: Ab an die Straße. Immer wenn ein großes Auto vorbeikam, schob ich den Daumen raus und winkte. Nach etwa 20 Minuten kam aus Richtung Hadsund ein schwarzer Pick-up, der mir zu-Licht-hupte. Ich fasste es nicht. Hat das wirklich geklappt? Enni war unsere Rettung! Sie war kurz zuvor an uns vorbeigerauscht und hatte wohl gemerkt, dass wir ein wenig in Trouble waren.

Ich bin an dir vorbei gefahren und hab mich gefragt, warum du immer nur bei manchen Autos den Daumen raus hältst. Als ich dann deinen Hund und das Fahrrad sah, wusste ich sofort, dass etwas sein müsste, sagte Sie zu mir und stand lächelnd zu einem Erinnerungsfoto bereit. Sie war gerade auf dem Weg nach Hadsund um das Auto waschen zu lassen, nahm uns die paar Kilometer mit und setzte uns vor einem Supermarkt wieder ab. Einfach klasse! Passt auf euch auf! Heute Abend soll es stürmen!, meinte Sie zu uns, während sie wieder von dannen zog. Ich stöberte durch die Shelter-App und fand 2 Shelter, die etwa 20 Kilometer entfernt waren. Safety-First, wenn es so weiter stürmen soll!, dachte ich und wollte Woody und mich nicht unnötig in Schwierigkeiten bringen.

Auf zum Shelter!

Die folgenden 20 Kilometer waren einfach wahnsinnig toll. Wir fuhren die gesamte Strecke abseits von Straßen auf einem tollen Weg, der hier und da immer wieder durch Bäume windgeschützt war. Dies war einer der wenigen Momente, an denen ich Woody endlich ungestört von der Leine lassen konnte. Die beiden Shelter, die mir angezeigt wurden, waren unmittelbar nacheinander, sodass ich beim Erreichen des ersten Shelters dachte zum zweiten weiter zu fahren. Als wir jedoch an dem auf der Karte markierten Punkt für den Shelter ankamen, war dort nur ein kleines Schild „Dieser Shelter existiert nicht“. Also drehten wir wieder um. Das Blöde war nun, dass der Wind nun immer stärker wurde und uns dieser die zwei Kilometer zum ersten Shelter kaum vorwärts kommen lies. Für diese kurze Strecke brauchten wir über 30 Minuten, so stark war der Wind.

alles fest! Der Sturm kann kommen!

Dort angekommen, fing ich sofort an den Eingang der Hütte durch mein Zelt zu schützen. Das hatte ich fast jedes mal getan, doch war ich diesmal sehr bedacht darauf, dass ich es durch Karabiner, Gurte und Haken fest schnürrte. Kurz nachdem ich fertig war, fing es zu regnen an – und das nicht nur ein bisschen. Die Äste der Bäume klatschten aneinander und der Wind stürmte durch jede Ritze des Shelters. Zum Glück haben wir es noch rechtzeitig geschafft!, wandte ich zu Woody, der heute fast den gesamten Weg gelaufen war.

Da ich unbedingt noch etwas Kochen wollte, lief ich durch den Regen und sammelte ein paar Steine ein, auf welche ich dann den Kocher stellen konnte. Zwar wäre auch so wahrscheinlich nichts passiert, aber da der Shelter komplett aus Holz war, wollte ich nichts riskieren. Die peitschenden Äste draußen, den schnarchenden Woody drinnen, genoss ich es im Trockenen zu sitzen und suchte nach einer Möglichkeit mein Campinglicht aufzuhängen. Ich wäre nicht ich, wenn ich dafür nicht auch eine Lösung gefunden hätte: Die Gabel in einen Spalt an der Decke gequetscht, fungierte Sie diesmal als Lichtbesteck. Um 9 Uhr legte ich mich dann zu dem im Schlaf-zuckenden Woody und fing an von Morgen zu träumen.

21. September – 2 Strecken, 30 Kilometer

Tag 15, Samstag der 22. September 2018 – Karma ist ne Bitch

Sonne, Kaffee und ein Woody

Regen und Kälte weckte uns am frühen Morgen – nur der Wind hatte aufgehört zu pusten. Ich mümmelte mich in zwei Paar Wintersocken, die Fleecedecke, die ich in weiser Voraussicht auf diese Tour mitgenommen hatte und kuschelte mich an Woody, der am Liebsten schon aufgestanden und weiter gelaufen wäre. Gegen 11 Uhr brach die Sonne durch die Wolkendecke und es begann wärmer zu werden. Woody und ich sogen jeden einzelnen Sonnenstrahl ein, während wir Kaffee- und Wasserschlürfend vor dem Shelter saßen. Um 12 Uhr war dann Aufbruchsstimmung, nur dass es plötzlich – wie aus dem Nichts – anfing zu Regnen. Eine Stunde später blickte die Sonne dann wieder raus, sodass wir endlich starten konnten. Ich plante am Montag in Skagen zu sein und beschloss uns dort ein Airbnb zu mieten. Eigentlich passt das natürlich überhaupt nicht zu der Art, wie wir Reisen, doch wollte ich Woody und mir eine kleine „Pause“ gönnen und dies als eine Art „Halbzeit-Basis“ sehen. Dies sollte eine sehr gute Wahl werden, wie du im Beitrag über Skagen lesen wirst.

das „Lille Vildemose“

Die Route für den heutigen Tag sollte durch ein Moor bzw. einen kleinen Nationalpark gehen, welche uns dann zur Fähre von Egense nach Hals bringen würde. Dass dies natürlich wieder vollkommen anders kam, war ja irgendwie schon zu erwarten. Der strahlend blaue Himmel, die unfassbar schöne Landschaft auf dem Weg zum und während der Fahrt durch den Park waren atemberaubend. Sonne Satt, kein Verkehr, tolle Spät-Sommer-Luft ließen Woody und mich euphorisch werden. In zwei-ein-halb Tagen nach Skagen sollte eigentlich kein Problem darstellen, wenn denn nichts schief gehen würde… und wie du dir denken kannst: ging etwas schief. Kurz bevor wir in das Lille Vildemose einbogen, fiel mein Anhänger um. Das ist eigentlich nicht schlimm und war es auch hier nicht, aber warum ich das schreibe und dies von Bedeutung war, wirst du gleich erkennen.

Lille Vildemose
wir stecken fest….

Nachdem wir schon einige Kilometer im Lille Vildemose zurückgelegt hatten, kamen wir an eine Straßensperre. Ich dachte mir nichts dabei, da es so aussah, als würde diese nur für Autos gelten. Rechts und links von der aufgezogenen Kette war reichlich Platz für Fahrräder und Fußgänger um vorbeizuziehen. Wir schlängelten uns also vorbei und fuhren weiter. Nach weiteren ein oder zwei Kilometern wurde der Weg dann immer schmaler und auf der linken Seite war ein See, der laut Strava und Googlemaps dort eigentlich nicht hingehören sollte.  Irgendwann war der Weg umgeben von Brenneseln und man konnte erkennen, dass der Pfad, der eigentlich einer sein sollte, keiner war.

Es half alles nichts: Wir mussten wieder umdrehen und die bisher zurückgelegte Strecke noch einmal fahren. Eine Stunde später kamen wir an die Stelle, an der Woodys Anhänger umgekippt war und siehe da: Das Campinglicht liegt auf dem Boden. Was zum…. Karma ist ne Bitch, Woody! Lässt uns erst mal fünf Kilometer fahren um uns mitzuteilen, dass wir was vergessen haben! Woody lächelte zurück – wie immer. In Kongerslev, dem nächsten Ort, angekommen entschied ich erstmal etwas einkaufen zu gehen. Als ich wenige Minuten später wieder aus dem Laden kam, regnete es so stark, dass Woody und ich binnen Sekunden bis auf die Unterbuchse nass waren. Die Fähre können wir für heute vergessen, dachte ich, während wir und unter einem Hauseingang vor dem Regen geschützt hielten.

Ein Traum von Hilfsbereit- und Gastfreundschaft!

Nach einigen Minuten klingte das Nass etwas ab. Wir fuhren ein Stück weiter und bemerkten, dass es sich hinter uns ziemlich zu zog. Es sah aus, als würde es gleich wieder zu Stürmen und Regnen anfangen. Ein Shelter war nicht in Sicht, sodass ich beschloss bei der nächsten Möglichkeit nachzufragen, ob wir das Zelt in einem der Gärten aufschlagen dürften. Bei dem hier gezeigten Häuschen hielten wir an. Ein kleiner Junge spielte an der Vordertür, während Woody und ich am Tor vor dem Haus auf eine Möglichkeit warteten diesen auf uns aufmerksam zu machen. Nach wenigen Sekunden kam eine junge Frau heraus. Was macht ihr hier?, fragte sie. Wir sind ein wenig unter die Räder gekommen heute und es sieht so aus als würde gleich wieder ein Sturm aufziehen. Wäre es möglich, dass wir unser Zelt im Garten aufschlagen und dort übernachten können? Wir stören auch sonst nicht!

Was nun kam, lies meine Kinnlade nach unten fallen.

 

Da ich über diese unglaublich tolle Familie ein wenig mehr Schreiben möchte, müsst ihr euch auf die nächste Etappe gedulden. Dort werde ich über Anne, Matias, Falke und Kristian, ihren Gästen, tollen Gesprächen mit diesen, einer phänomenalen Kilometer-Aufholung und unserem Weg nach Skagen berichten.

Etappe 7 – Skagen!


Wie immer freue ich mich über jeden Kommentar, jede Anmerkung, jedes Detail, welches ihr mitteilen möchtet, jedes Gefällt mir drücken und natürlich auch über das Teilen unserer Geschichte. Bei Fragen stehe ich dir natürlich auch gerne zur Verfügung! Schreib mir dafür am besten per Facebook– oder Instagram-Privatnachricht! Alternativ natürlich auch gerne per E-Mail. Wenn du auf dem Laufenden gehalten werden möchtestm abonniere doch am besten meinen Blog! So erhälst du für jeden neuen Beitrag eine Mail und bist immer up-to-date. 

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